Hiphop - Made in Germany - Deutschrap Doku

Hiphop - Made in Germany - Deutschrap Doku

Vom Untergrund zur Popkultur: Eine Reise durch die Geschichte von deutschem Hip-Hop

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich Hip-Hop in Deutschland von einer subkulturellen Bewegung zu einem integralen Bestandteil der Mainstream-Kultur entwickelt. Von den bescheidenen Anfängen in Heidelberg bis hin zu den pulsierenden Metropolen des Landes - die Musikrichtung Deutschrap hat sich nicht nur verändert und weiterentwickelt, sondern auch die Gesellschaft, in der wir leben, widergespiegelt, kommentiert und verändert.

Deutschrap im Wandel der Zeit: Hip-Hop Made in Germany

Hip-Hop in Deutschland ist mehr als nur Musik oder ein Randphänomen. Es ist eine kulturelle Bewegung, die auf gesellschaftliche Ereignisse reagiert, den Zeitgeist einfängt und nicht selten kontroverse Themen wie Sexismus, Rassismus und Kapitalismus aufgreift. Von historischen Wendepunkten wie dem Mauerfall bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie der Corona-Krise – Deutschrap hat stets eine Stimme in der gesellschaftlichen Diskussion eingenommen, sei es durch Kritik, Übertreibung oder Polarisierung.

TRAILER "Hiphop - Made in Germany" in der ARD Mediathek

Die vierteilige Dokumentarserie „Hiphop – Made in Germany“ nimmt uns mit auf eine bewegende Reise durch die Geschichte des deutschen Raps, eingebettet in die gesamtdeutsche Historie. In einem alten Mercedes, der als fahrende Bühne dient, navigieren uns Rap-Ikonen, aufstrebende Talente und bedeutende Figuren der Szene durch die vielschichtigen Dekaden der Hip-Hop-Historie. Toni-L und Martin Stieber zeigen uns die Heidelberger Altstadt, Denyo und Eunique cruisen durch Sankt Pauli, Ali Bumaye und Kitty Kat fahren von Kreuzberg nach Neukölln und Celo & Abdi werden durch Frankfurt am Main geschleppt.

Ein Roadmovie durch die Jahrzehnte: Deutschrap am Steuer

Jede Episode der Serie widmet sich einem Jahrzehnt und einer besonderen Fahrgemeinschaft mit wechselnden Gästen, die uns in einem alten Mercedes durch die prägenden Orte und Ereignisse führt. Die Serie ist nicht nur eine Hommage an die deutsche Rap-Landschaft, sondern auch eine Reflexion über die gesellschaftliche und politische Geschichte Deutschlands, eingeordnet durch Persönlichkeiten aus der Musikindustrie, Zeitgeschichte und Politik.

Hiphop - Made in Germany Folge 1: "Heidelberg, alte Mauern und neuer Sound"

Hiphop - Made in Germany - Heidelberg

Bildquelle: NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion / David Meister

In Folge 1 begibt sich Toni L von Advanced Chemistry zusammen mit Martin Stieber von den Stieber Twins auf eine Zeitreise in die 80er-Jahre in Heidel-Boogie-Berg. In dieser Zeit war Deutschland noch geteilt und durch die Alliierten besetzt und Hip-Hop befand sich im absoluten Underground. Die Dokuserie zeigt, wie die Heidelberger Szene inspiriert durch die stationierte US Army die ersten Schritte auf dem Hip-Hop-Parkett wagte. Zudem wird die Rolle von Frauen im Hip-Hop thematisiert, insbesondere durch die Erfahrungen von Cora E., der ersten weiblichen MC. Die Folge beleuchtet auch die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse dieser Zeit, wie beispielsweise die Diskussion um den NATO-Doppelbeschluss. Darüber hinaus wird die Bedeutung des Heidelberger Hip-Hops als immaterielles Kulturerbe der UNESCO hervorgehoben, da dieser die deutsche Rap-Szene nachhaltig beeinflusst hat.

Gäste: Cora E., Özcan Cosar, Christian Stieber, Antifuchs

Hiphop - Made in Germany Folge 2: "90er: Hamburg, Kommerz und Realness"

Hiphop - Made in Germany - Hamburg

Bildquelle: NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion / Benedict Meyer zu Strohe

In Folge 2 richtet sich der Blick nach Hamburg, wo der Beginner-Mitbegründer Denyo und die Rapperin Eunique uns durch die Hansestadt zwischen Plattenläden, Mauerfall und Jahrtausendwende führen. Die Folge beleuchtet die Entwicklung von Deutschrap in den 90er Jahren und thematisiert dabei sowohl kommerzielle Aspekte als auch die Authentizität der Szene. Zudem reflektiert die Dokuserie die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse der Neunziger, die den Hip-Hop dieser Zeit maßgeblich beeinflusst haben. Dank der Fahrt durch Hamburg wird ein lebendiges Bild der hiesigen Hip-Hop-Szene in den 90er Jahren gezeichnet, das uns auf eine faszinierende Reise durch diese prägende Dekade mitnimmt.

Gäste: Sleepwalker, Lady Bitch Ray

Hiphop - Made in Germany Folge 3: "2000er: Berlin, Hartz und Härte"

Hiphop - Made in Germany - Berlin

Bildquelle: NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion / Ben Böhm

In den 00er Jahren wird das Epizentrum des deutschen Raps nach Berlin verlagert, wo sich nach der Pionierarbeit vom Royal Bunker vor allem Aggro Berlin als absoluter Platzhirsch behauptet. Die Folge beleuchtet die Entwicklungen und Herausforderungen von Deutschrap in den 2000er Jahren. Die Fahrt von Ali Bumaye und Kitty Kat durch Berlin wird genutzt, um die Hip-Hop-Szene dieser Zeit zu reflektieren und die Auswirkungen von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen, wie beispielsweise Hartz IV, auf deutschen Hip-Hop zu untersuchen. Dabei werden auch die Themen Kommerz, Härte und Authentizität in der Hip-Hop-Kultur dieser Zeit thematisiert. Die Folge bietet somit einen faszinierenden Einblick in die Deutschrap-Szene Berlins in den 2000er Jahren und zeigt, wie sich der deutsche Hip-Hop in dieser Zeit weiterentwickelt hat.

Gäste: Prinz Pi, Chefket

Hiphop - Made in Germany Folge 4: "2010 - bis heute: Frankfurt, Cash und Role Models"

Hiphop - Made in Germany - Frankfurt

Bildquelle: NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion / Luke Bliedtner

In der vierten Episode wird das Frankfurt der 2010er Jahre in den Fokus gerückt. Das Duo Numero Uno Celo & Abdi zeigt uns ihr Frankfurt, von der Ignatz-Bubis-Brücke bis zur Konstablerwache. Die Folge beleuchtet die Entwicklungen von Deutschrap in den letzten Jahren und thematisiert dabei insbesondere den Einfluss von Streaming-Diensten auf die Musikindustrie und Hip-Hop in Deutschland. Zudem wird die Rolle von Rap als politisches Sprachrohr in Zeiten gesellschaftlicher Krisen, wie beispielsweise der Flüchtlingskrise oder der Corona-Pandemie, untersucht. Die Folge zeigt auch, wie sich deutscher Hip-Hop in den letzten Jahren verändert hat und welche Rolle er als Spiegel der Gesellschaft erfüllt. Dabei werden auch die Themen Vorbildfunktion und provokative Entertainment-Maschinerie in der Hip-Hop-Kultur dieser Zeit thematisiert.

Gäste: Parshad, Liz

Hip-Hop als Spiegel und Zerrspiegel der Gesellschaft

Die Idee hinter der Serie ist es, nicht nur die Entwicklung von Hip-Hop in Deutschland zu beleuchten, sondern auch die deutsche Geschichte durch die Linse dieser einflussreichen Kultur zu erzählen. Hip-Hop ist weit mehr als ein Genre, vielmehr auch ein Spiegel und manchmal ein Zerrspiegel der Gesellschaft. Die Serie beleuchtet, wie Hip-Hop in Deutschland gesellschaftliche Mauern einreißt, aber auch neue errichtet, insbesondere im Umgang mit Frauen im Genre aber zum Glück auch gegenüber rechtsradikalen Strömungen. Leider fehlen in den vier Folgen wichtige Standorte und Melting Pots für die deutsche Hip-Hop Kultur wie zum Beispiel Köln, München, der Ruhrpott oder Stuttgart (mit Ausnahme der Fantastischen 4). Auch wird bis auf West- und Ostberlin überhaupt nicht auf die Entwicklung in der ehemaligen DDR vor dem Mauerfall eingegangen. Hieraus könnte man ohne Probleme weitere vier Folgen erstellen, vielleicht ist das sogar der Plan der Gebrüder Beetz Filmproduktion. Falls du noch tiefer in die frühen Phasen von deutschem Hip-Hop eintauchen möchtest, schau dir mal unseren Blogbeitrag zu "We Wear the Crown" an.

Statements über Hip-Hop Made in Germany

EUNIQUE ÜBER DIE BEDEUTUNG VON HIPHOP

"Hiphop ist für mich Leben. Hiphop ist für mich Kultur. Hiphop ist für mich Stories aus dem Leben zu erzählen und sie irgendwie so zu verarbeiten, dass wir uns heilen können, dass wir dazu tanzen können, dass wir dazu traurig sein können, dass wir Emotionen zulassen können auf die Musik. Das ist für mich Hiphop."

KITTY KAT ÜBER DIE BEDEUTUNG VON HIPHOP

"Hiphop ist für mich mein Leben. Es ist eine Lebenseinstellung. Und ich habe eine Aufgabe bekommen, diesen Hiphop zu machen, Rap zu machen und den Leuten Kraft zu geben."

DISARSTAR ÜBER DIE BEDEUTUNG VON HIPHOP

"Hiphop ist für mich die einzige große Konstante in meinem Leben seit ich zwölf Jahre alt bin. Hiphop hat mir alles beigebracht, irgendwie, dass ich überhaupt Selbstvertrauen habe, ein Selbstbewusstsein habe. Dass ich so bin, wie ich bin, habe ich Hiphop zu verdanken. Wäre Hiphop nicht in mein Leben gekommen, hätte sich mein Leben ganz anders entwickelt.“"

DENYO ÜBER DIE BEDEUTUNG VON HIPHOP

"Hiphop ist für mich Selbstausdruck. Es ist die Möglichkeit der Mehrheitsgesellschaft zu entfliehen und sein ganz eigenes Ding zu machen. Kreativ zu sein. All seine Fähigkeiten nutzen zu können, um das Beste aus sich selbst heraus zu schaffen und zu machen. Es ist die Möglichkeit mit anderen in Verbindung treten zu können, eigene Sichtweisen zu schildern und zu erklären. In seiner reinsten Urform ist es komplett Liebe und Energie."

Zudem gibt es in "Hiphop - Made in Germany" Interviews und O-Töne von unter anderem Afrob, König Boris, Harris, Marcus Staiger, Finch, Smudo, Ebow, Sookee, Joe Chialo, Patrick Mushatsi-Kareba, Christian Bangel, Morlockk Dilemma, Dieter Gorny, Disarstar, Eko Fresh, Tobias "Toxik" Kargoll, Marina Buzunashvilli, Heidi Süß, Aladin El-Mafaalani, Michel Friedman, Simon "Tellz" Vogt, Jakob Baier, T-Low, Amigo, Schwesta Ewa, Danyal Bayaz, Olexesh, Ben Salomo, Gregor Gysi.

Made in Germany - Deutschrap History?

Von den Herausforderungen im Umgang mit Themen wie Sexismus, Rassismus und Kapitalismus bis hin zu markanten historischen Ereignissen - Deutscher Hip-Hop hat sich stets engagiert und kritisch mit der Zeitgeschichte auseinandergesetzt. Die Serie "Hiphop - Made in Germany" ist eine unterhaltsame und aufschlussreiche Zeitreise durch die Jahrzehnte von deutschem Rap, fernab von trockenem Geschichtsunterricht. Schließlich ist Deutschrap auch eine Reflexion der gesellschaftlichen Dynamiken und Veränderungen, die Deutschland im Laufe der Jahrzehnte geprägt haben. Die Einordnung der Deutschrap-Phasen zu politischen und gesellschaftlichen Themen macht "Hiphop - Made in Germany" nicht nur für Hip-Hop Fans relevant, leider fehlen jedoch wie erwähnt sehr viele wichtige Quellen, Strömungen und Persönlichkeiten. Somit ist die Zeitreise durch Hip-Hop-Deutschland leider nicht vollständig. Dennoch ist die Deutschrap Doku-Serie sehr kurzweilig und es macht Spaß, die 4x 45 Minuten auf einmal weg zu bingen. Sollte man also auf jeden Fall gesehen haben.

"Hiphop - Made in Germany" Stream

Die Staffel 1 der NDR Dokumentation "Hiphop - Made in Germany" über Hip-Hop und Rap in Deutschland mit 4 Episoden aus Heidelberg, Hamburg, Berlin und Frankfurt kannst du hier in der ARD Mediathek streamen.

Bildquelle: NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion / MILCH DESIGN GmbH

Ähnliche Blogbeiträge:

  • Best of Deutschrap 2004 - 2005 | Spotify Playlist
    Best of Deutschrap 2004 - 2005 | Spotify Playlist

    Rap aus Berlin hat den gesamten Markt im Sturm erobert. Neben unzähligen Untergrund-Releases sind es allen voran Aggro Berlin und Ersguterjunge, die den Ton im Deutschrap angeben.

  • Best of Deutschrap 2002 - 2003 | Spotify Playlist
    Best of Deutschrap 2002 - 2003 | Spotify Playlist

    Nach dem ersten Hype zur Jahrtausendwende war Deutschrap überall, in den Büros der Major Labels gleichermassen wie in den Discmen und iPods auf den Dorfplätzen dieser Rapublik.

  • Best of Deutschrap 2000 - 2001 | Spotify Playlist
    Best of Deutschrap 2000 - 2001 | Spotify Playlist

    Zur Jahrtausendwende befindet sich der Deutschrap-Hype auf seinem ersten Höhepunkt. Das splash! Festival kann bei seiner dritten Ausgabe 20.000 Besucher über drei Tage zählen und das HipHop Open feiert in Stuttgart sein Debüt mit fast 15.00

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.